Holprige „Weihnachtsüberraschung“ in Nardt

8 Jan
Für ihren Sport brauchen die Modellflieger des Aeroklubs Nardt eine glatte Piste. Unbekannte haben auf dem Fluggelände aber, vermutlich auf der Suche nach „Elsterhorst“-Hinterlassenschaften, Dutzende Löcher gegraben (siehe kleines Foto unten). Vor dem Jahreswechsel fand der erste Arbeitseinsatz der Vereinsmitglieder um Sprecher Dietmar Morgenstern (Mitte) statt, um den Schaden zu beseitigen. Foto: Anja Wallner

Statt den Kochlöffel fürs Silvesterbüffet zu schwingen, schwangen einige Mitglieder der Sparte Modellflug im Aeroklub Nardt auf ihrem Modellfluggelände am vorletzten Tag des Jahres 2017 eher unfreiwillig Spaten und Ramme. An den Weihnachtstagen entdeckte jemand aus dem Verein zufällig, dass Unbekannte das Gelände innerhalb des Flugplatzes Nardt, wo normalerweise Modellflieger starten und landen, mit rund 30 bis zu 30 Zentimeter tiefen Löchern „verziert“ hatten. Erst gingen die Modellflugsportler von Schäden durch Wild aus. Damit haben sie häufiger zu tun. „Aber dann haben wir gesehen, dass die Grasnarbe zerstochen und richtig gebuddelt wurde“, sagte Dietmar Morgenstern, ein Sprecher der Modellflug-Gruppe. Er vermutet, dass sich – erstmals – Sondengänger unerlaubterweise bei Nacht und Nebel auf die Suche nach Hinterlassenschaften des Lagers Elsterhorst, das sich einst auf der Fläche befand, gemacht haben. „Womöglich haben sie ihr Weihnachtsgeschenk ausprobiert“, so Dietmar Morgenstern galgenhumorig.

Hobby – aber bitte legal betreiben!

Zum Lachen war den Vereinsmitgliedern aber eher nicht. Die Löcher wieder zu verfüllen und die ramponierte Piste einzuebnen, ist das eine. Benötigen doch manche Modellflieger aus technischen Gründen eine möglichst lange, glatte Bahn ohne störende Hindernisse und Huckel. Die ist also derzeit nicht vorhanden. Und bis sie wieder so schön gleichmäßig ist wie vorher, wird das die Modellflugsportler noch reichlich Zeit und Muskelkraft kosten.

Mit dem Bollerwagen, Ersatz-Erde und Werkzeug wurde losgezogen, um die Unebenheiten erst einmal aufzufüllen, soweit das möglich ist. Die Löcher wieder verfüllen, ist das eine. Bis sie wieder bewachsen sind und der Idealzustand einer huckel- und ruckelfreien Start-und-Lande-Piste wieder hergestellt ist – das ist noch eine ganz andere Sache, die vor allem Zeit braucht. Foto: Anja Wallner

Dietmar Morgenstern und seine Kollegen glauben, dass Militaria-Fans Erkennungsmarken, Gürtelschnallen und ähnliche Überbleibsel aus der Lager-Zeit aufspüren und vielleicht zu Geld machen wollen.

Dabei hat Dietmar Morgenstern durchaus Verständnis für Leute, die mit einer Sonde auf „Schatzsuche“ gehen – mit entsprechender Genehmigung, versteht sich. „Das ist deren Hobby, so wie wir eben Modellflugsport betreiben.“ Er selbst kennt Sondengänger, die regelmäßig – ganz legal – in Nardt anzutreffen sind, außerhalb des Modellfluggeländes. Sie haben sich auch schon beim Verein gemeldet, um zu versichern: Wir waren das mit den Löchern nicht! Der Vereinsvorstand erwägt, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Das ist bisher nicht passiert, wie in dieser Woche auf Anfrage von der Polizei zu erfahren war. Detektorsuche, sofern ohne Erlaubnis geschehen, ist gemäß Denkmalschutzgesetz ein Straftatbestand; dazu kommt das widerrechtliche Betreten des Flugplatzgeländes, das hinsichtlich seiner Geschichte ein Bodendenkmal ist, wie Dietmar Morgenstern erklärte.

Mit einer Sonde nach archäologischen Funden über die Äcker zu streifen, ist für viele Leute eine attraktive Sache, weiß Dr. Cornelia Rupp, Referentin Öffentlichkeitsarbeit und Marketing beim Landesamt für Archäologie in Dresden. Dafür braucht es aber eine Genehmigung und einen offiziellen Nachforschungsschein. Wer legal einen Detektor benutzen möchte, benötigt ein polizeiliches Führungszeugnis und muss Gründe sowie ein festgelegtes Gebiet für sein Vorhaben angeben. Die Genehmigung ist zeitlich begrenzt und kann formlos verlängert werden. Um den Nachforschungsschein zu bekommen, muss man zudem an einer kostenfreien Schulung zu denkmalschutzrechtlichen Fragen beim Landesamt für Archäologie teilnehmen. Es geht dabei beispielsweise um den Umgang mit Fundmunition sowie mit Funden generell. Man will natürlich vermeiden, dass Kulturdenkmale aus Unkenntnis beschädigt oder gar zerstört werden.

Fundstücke melden

Fest steht zudem: „Der Verkauf der «Schätze» ist strafbar“, so Dr. Cornelia Rupp. Herrenlose Funde, deren rechtmäßige Eigentümer nicht mehr zu ermitteln sind, werden bei ihrer Entdeckung in Sachsen Eigentum des Freistaats. So steht es im Sächsischen Denkmalschutzgesetz. Das heißt, Fundstücke müssen der Denkmalschutzbehörde gemeldet werden. Auch wenn sie augenscheinlich aus der Neuzeit stammen – ihres möglichen wissenschaftlichen Wertes wegen. Dr. Cornelia Rupp weiß, dass die Finder die Gegenstände in den meisten Fällen zurückbekommen, weil sie archäologisch uninteressant sind.

Welche Konsequenzen zieht die Sektion Modellflug nun aus der ungebetenen „Weihnachtsüberraschung“? „Wir kontrollieren schon regelmäßig“, so Dietmar Morgenstern. Nun soll über den Einsatz einer Wildkamera diskutiert werden.

Mit freundlicher Genehmigung der Sächsischen Zeitung/Hoyerswerdaer Tageblatt vom 05.01.2018 (Anja Wallner)